Erstmals vorgelegt:
Die Zahlen sind erschreckend. Jeder zwölfte Mensch im Ennepe-Ruhr-Kreis ist arm, kann ohne staatliche Unterstützung nicht leben. Was noch mehr zu denken gibt: 15,4 Prozent aller Kinder werden in Armut geboren. So steht es im Armutsbericht des Ennepe-Ruhr-Kreises, der jetzt vorgelegt wurde. Die Dunkelziffer dürfte noch wesentlich höher liegen. Viele Menschen schämen sich, die Ämter um Hilfe zu bitten.
Dabei gibt es im Kreisgebiet gravierende Unterschiede. Am stärksten ist die Armut im von der Industrie geprägten Witten mit 11,2 Prozent verbreitet. Danach kommt bereits - und das ist erstaunlich - die Kreisstadt Schwelm mit 10,6 Prozent. Auch Hattingen liegt mit 9,6 Prozent über dem Kreisdurchschnitt von 8,7 Prozent. Die wenigsten Probleme haben Breckerfeld mit 3,8 Prozent und Sprockhövel mit 4,3 Prozent. Bei der Kinderarmut hat Schwelm mit 20,1 Prozent sogar die traurige Führung übernommen. Aber auch in Witten (19,9 Prozent) wird fast jedes fünfte Kind in Armut geboren. Auch hier liegen Breckerfeld (5,9 Prozent) und Sprockhövel (7,4 Prozent) am Ende der Skala.
Senioren kommen mit Rente noch aus
Keine große Rolle spielt im Augenblick noch die Altersarmut im Kreisgebiet. Selbst in Witten, der am stärksten davon betroffenen Kommune, liegt die Quote der Menschen, die 65 Jahre und älter sind und auf die Hilfe des Staates angewiesen sind, bei 3,2 Prozent, also wesentlich unter dem Durchschnitt der Bevölkerung (11,2 Prozent). Schwelm liegt bei 2,6 Prozent, Ennepetal bei 2,2 Prozent und Gevelsberg bei 1,7 Prozent.
Auffällig ist, dass eine Stadt, die im Augenblick von der Armut weniger betroffen ist, ein anderes ernstes Problem hat. In Herdecke sind in den vergangenen zehn Jahren 19,1 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Jobs weggefallen. In Hattingen waren es 16,7 Prozent. Und damit hat auch das sonst in der Statistik so gut aussehende Breckerfeld ein Problem: Hier ging die Zahl der Beschäftigten, die in die Sozialversicherung einzahlen, um 16,2 Prozent zurück. Gevelsberg liegt mit minus 15,8 Prozent knapp dahinter. Schwelm meldet einen Rückgang um 9,7 Prozent und Ennepetal steht mit minus 1,1 Prozent noch am besten unter den Städten im Ennepe-Ruhr-Kreis da.
Einkommen schwanken stark
Der Armutsbericht deckt auch auf, dass die Einkommen im Kreis stark auseinander gehen. Am meisten wird in Ennepetal verdient. Dort verfügt ein privater Haushalt über 26.256 Euro im Jahr. Am anderen Ende der Skala liegt Hattingen mit 18.510 Euro. Dazwischen kommen Sprockhövel (26.192 Euro), Herdecke (25.452 Euro), Wetter (24.080 Euro), Schwelm (23.462 Euro), Breckerfeld (21.030 Euro), Gevelsberg (19.773 Euro) und Witten (18.899 Euro. Erstaunlich also: Ein Haushalt in Ennepetal verfügt pro Jahr über rund 6.500 Euro mehr als im benachbarten Gevelsberg.
Beträchtliche Unterschiede gibt es auch bei der Wohnfläche, die pro Person zur Verfügung stehen. Den meisten Platz in ihren heimischen vier Wänden haben mit 43,3 Quadratmetern laut Statistik die Sprockhöveler, den wenigsten mit 37,8 Quadratmeter die Hattinger. In Schwelm ist der durchschnittliche Wohnraum mit 37,9 Quadratmetern nur unwesentlich größer. Gevelsberg liegt bei 38,7 und Ennepetal bei 39,5 Quadratmetern. Das ist übrigens auch genau der Durchschnitt für alle Menschen, die im Ennepe-Ruhr-Kreis leben.
Quelle: Westfälische Rundschau, Lokalausgabe Schwelm, Gevelsberg, Ennepetal und Sprockhövel, Autor Klaus Bröking
Auf der Seite des EN-Kreises steht der Armutsbericht als PDF-Datei zur Verfügung. (ganz unten)
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